Evmenios (Saridakis) der Neue

Gedächtnis: 23. Mai
Der ehrwürdige und Gotttragende Vater Eumenios der Neue, mit weltlichem Namen Konstantinos Saridakis, wurde am 1. Januar 1931 im Dorf Ethia in der Gegend von Monofatsi bei Iraklio auf Kreta geboren. Seine Eltern Georgios und Sophia waren einfache, fromme und mittellose Menschen. Konstantinos war das jüngste ihrer acht Kinder. Im Alter von nur zwei Jahren verlor er seinen Vater, sodass seine Mutter die große Familie unter äußerst schwierigen Bedingungen allein versorgen musste. Armut, Entbehrungen und die Not der Kriegsjahre prägten seine Kindheit. Dennoch bewahrte er ein friedfertiges Wesen und fühlte sich schon früh zum Gebet und zum kirchlichen Leben hingezogen.
Nach seinem eigenen Zeugnis empfing er am Neujahrstag des Jahres 1944, als er dreizehn Jahre alt war, auf wunderbare Weise die Gewissheit, dass er Mönch werden sollte. Von da an richtete er sein Leben immer entschiedener auf Christus aus. Als junger Mann trat er in das Kloster des heiligen Großmärtyrers Niketas auf Kreta ein. Nach seiner Zeit als Novize wurde er zum Mönch geschoren und erhielt den Namen Sophronios. Obwohl er kaum Gelegenheit zu einer schulischen Ausbildung gehabt hatte, zeichnete er sich durch geistliche Klugheit, ein reines Herz und ein tiefes Vertrauen auf die Vorsehung Gottes aus.
Während seines Militärdienstes erkrankte der Mönch Sophronios schwer. Nachdem die Ärzte bei ihm die Hansen-Krankheit, die Lepra, festgestellt hatten, wurde er schließlich in die Leprastation des Krankenhauses für Infektionskrankheiten „Agia Varvara“ bei Athen gebracht. Dort lernte er aus eigener Erfahrung die körperlichen Leiden, die Einsamkeit und die gesellschaftliche Ausgrenzung der Erkrankten kennen. Durch die damals verfügbaren Medikamente wurde er vollständig geheilt. Dennoch verließ er die Leprastation nicht. Aus Liebe zu seinen leidenden Mitmenschen entschied er sich, freiwillig bei ihnen zu bleiben, sie zu pflegen und besonders jenen beizustehen, die keine Angehörigen und keine andere Hilfe hatten.
In der Leprastation begegnete er dem heiligen Nikephoros dem Leprakranken, der durch die Krankheit erblindet und körperlich schwer gezeichnet war. Sophronios diente ihm mit großer Hingabe und empfing von ihm zugleich geistliche Unterweisung. Der heilige Nikephoros wurde sein geistlicher Vater und führte ihn tiefer in das Gebet, die Geduld und die demütige Hingabe an Gott ein. So wurde der Ort des Leidens für Sophronios zu einer Schule der Heiligkeit. Er kümmerte sich um die kleine Kirche der heiligen uneigennützigen Ärzte Kosmas und Damian und verband sein verborgenes asketisches Leben mit dem täglichen Dienst an den Kranken.
Im Jahre 1975 wurde Sophronios im Alter von vierundvierzig Jahren zum Priester geweiht und erhielt den Namen Eumenios. Als Priester und später als Archimandrit diente er weiterhin in der Krankenhauskirche. Er feierte die Göttliche Liturgie, hörte Beichten, tröstete die Verzweifelten und nahm sich der seelischen und leiblichen Nöte der Menschen an. Nicht nur die Kranken des Hospitals, sondern Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft suchten bei ihm Rat und Trost. Er begegnete ihnen ohne Härte und ohne Verurteilung. Seine geistliche Führung war von Liebe, Unterscheidungskraft, Einfachheit und großer Barmherzigkeit geprägt.
Der ehrwürdige Vater lebte in freiwilliger Armut und verbarg seine geistlichen Gaben, soweit es ihm möglich war. Besonders kennzeichnend war seine tiefe, kindliche Freude. Trotz der Krankheit und des vielen menschlichen Leids, das ihn umgab, wurde er fast immer mit einem leuchtenden Gesicht und einem herzlichen Lächeln erlebt. Seine Freude entsprang nicht äußerem Wohlergehen, sondern seiner lebendigen Gemeinschaft mit Christus. Er lehrte die Menschen durch sein eigenes Beispiel, zu vergeben, zu lieben, nicht zu verzweifeln und ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott zu setzen.
Menschen, die ihn persönlich kannten, bezeugten seine geistliche Einsicht, seine von Liebe erfüllte Seelsorge und die Kraft seines Gebetes. In der Überlieferung der Kirche wird auch von wunderbaren Hilfen, Heilungen und verborgenen geistlichen Erfahrungen berichtet. Der heilige Porphyrios von Kavsokalyvia schätzte Vater Eumenios sehr und bezeichnete ihn nach kirchlicher Überlieferung als einen verborgenen Heiligen seiner Zeit. Eumenios selbst suchte jedoch weder menschliche Anerkennung noch eine Gefolgschaft. Er warnte vor einer ungesunden Beschäftigung mit Träumen, Prophezeiungen und außergewöhnlichen Erscheinungen und führte die Menschen stattdessen zu Umkehr, Demut, kirchlichem Leben und tätiger Liebe.
Seinen Dienst an den Kranken setzte Vater Eumenios bis zum Ende seines Lebens fort. Er entschlief im Herrn am 23. Mai 1999 in Athen im Alter von achtundsechzig Jahren. Sein Leib wurde in sein Heimatdorf Ethia auf Kreta überführt und dort beigesetzt. Schon bald nach seinem Heimgang verehrten ihn viele Gläubige als heiligmäßigen geistlichen Vater und suchten seinen Beistand im Gebet.
Auf Antrag der Kirche von Kreta und nach der kirchlichen Prüfung seines Lebens beschloss die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchats am 14. April 2022 einstimmig, ihn unter dem Namen „unser ehrwürdiger und gotttragender Vater Eumenios der Neue Saridakis“ zu verherrlichen.
Gebete
Troparion (5. Ton)
Göttlicher Tröster derer, die in stürmischer See sind, Helfer der Bedürftigen und unfehlbarer Führer – das Volk verehrt dich mit Hymnen und Lobgesängen voller Sehnsucht, Evmenios, der du an Eifer mit Hiob gleich bist, der du böse Geister vertreibst und für uns ein gnädiger Fürsprecher beim barmherzigen Herrn bist.